Neckar Chronik, 12.09.2017

 

Schon immer ein Grüner
Ganz automatisch scannt sich Andreas Kubesch neue Wälder. Als Absolvent der Fachhochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg hat der 48-Jährige ein geübtes Auge, und auch beruflich hat er es mit Holz zu tun. Das Thema Energie ist das Spezialgebiet des Grünen-Kandidaten. Bild: Kuball
Kandidaten-Portrait

Schon immer ein Grüner

Andreas Kubesch wurde erst mit dem Wahlerfolg seiner Partei im Ländle 2011 so richtig politisch aktiv. Die Themen Forst und Energie sind seine Spezialität.

Schreitet Andreas Kubesch vom freien Feld durch das Portal der Bäume in einen Wald hinein, richtet sich sein erster Blick nach oben. Ganz automatisch, das ist ihm gewissermaßen in die Gene übergegangen. Als Forstwirt vermag er in Sekundenschnelle ein erstes Urteil zu fällen. Ob es Staats- oder Privatwald ist, wie das Waldstück über Jahre und Generationen hin gewachsen ist, ob es gesund ist oder krank. Der nach oben gerichtete Blick des Grünen-Kandidaten bei der Bundestagswahl am 24. September ist auch bei dessen erstem Besuch im Nordstetter Ruhewald obligatorisch.

Aus Pietätsgründen findet das Gespräch zum Thema Wahl inmitten dieses besonderen Stücks Horber Waldfläche auf einer Bank mit gebührendem Abstand zu dem Bereich statt, in dem Menschen ihre letzte Ruhe finden. Wald, das ist für den 48-Jährigen weit mehr als ein Ort der Ruhe. Und weit mehr als ein Ort der Erholung und der Freizeitgestaltung. „Für mich ist der Wald Arbeitsplatz“, sagt Andreas Kubesch in Überleitung auf eines seiner wirtschaftlichen Standbeine. Der Neubulacher macht und verkauft Brennholz.

Zehn Prozent Bannwald reichen

Allein schon von Berufs wegen hat der Grünen-Kandidat, der seinen Wahlkampf mehr oder minder allein managen und bestreiten muss, eine andere Meinung zum Thema Wald als etliche seiner Parteifreunde. Zehn Prozent der Waldfläche als Bannwald, das unterschreibt auch er. Aber die restlichen 90 Prozent, so seine Devise, braucht‘s für die Produktion. Wissend, dass er mit diesem Statement im Zwiespalt zwischen Naturschützern und Naturnutzern steht, liefert Kubesch flugs eine plausible Begründung mit: Die Energiewende.

Diesen Themenkomplex in seiner vielfältigen Ausprägung würde sich Andreas Kubesch im Falle seiner Wahl in den Bundestag zum persönlichen Schwerpunkt machen. Auf diesem Gebiet verfügt der verheiratete Neubulacher über weitreichende fundierte Kenntnisse, die deutlich über das Heizen mit Holz hinaus reichen.

Ein anderer Schwerpunkt seiner Arbeit als Unternehmer ist nämlich das Thema Photovoltaik (PV). Bereits vor 15 Jahren installierte Kubesch erste PV-Anlagen auf eigenen Dachflächen und mietete für weitere Anlagen Dachflächen an. Die Fortschreibung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) betrachtet er als zwingende Aufgabe in der kommenden Legislaturperiode. Nach wie vor sei, wirbt der 48-Jährige, Solarstrom im Vergleich zu Strom aus neu zu bauenden Kohlekraftwerken kostengünstiger.

Energiewende eine Chance

Ohnehin, und hier spricht wieder der wirtschaftsaffine Grünen-Politiker: Die Herausforderung der Energiewende von fossilen hin zu erneuerbaren Energien eröffne Deutschland auch gute Möglichkeiten. „Wir haben die Chance, davon zu profitieren, vor allem auch, indem wir unsere Technologien exportieren.“ Weltweit gewinnt dieses Thema an Bedeutung, aktuell liefern die Dimensionen der Tropenstürme, die derzeit auch die Vereinigten Staaten hart treffen, ein deutliches Indiz für die Folgen der weltweiten Klimaerwärmung.

Was Andreas Kubesch nicht so recht begreifen kann: „Mir fehlt hier der Forscherdrang in der Industrie.“ In der Vergangenheit seien Entwicklungen vor dem Hintergrund grüner Themen nur allzu oft erst auf Drängen der Politik hin vorangetrieben worden. Dies dann aber letzten Endes wiederum zum Profit der Wirtschaft und nicht zu deren Schwächung. „Nehmen wir das Thema Waldsterben: Damals hat es immer geheißen, es gehe nicht, sämtliche Autos mit einem Katalysator auszustatten. Heute rollt praktisch kein Auto mehr ohne Kat vom Band“, sagt Kubesch, der Deutschland wirtschaftlich eben nicht trotz, sondern wegen der Umweltauflagen gestärkt sieht. Unterm Strich steht bei der Energiewende für den Vater eines elfjährigen Sohnes aber auch schon jetzt fest: „Wind und Sonne allein werden’s nicht richten.“

Wie lange ist Andreas Kubesch, der auch ausgewiesener Experte in Sachen edler Mineralien ist, schon bei seiner Partei? Gar nicht mal so lange, verrät er. Der Wahlerfolg der Grünen in Baden-Württemberg 2011 habe ihn wachgerüttelt, politisch aktiv zu werden, noch im gleichen Jahr sei er den Grünen beigetreten. Von seiner politischen Grundeinstellung her aber sei er schon immer ein Grüner gewesen. „Grün gibt‘s, seit ich politisch denken kann“, sagt Kubesch und erinnert sich an die ersten Themenschwerpunkte wie die Anti-Atom-Bewegung in den 1980er-Jahren oder den Widerstand gegen den Nato-Doppelbeschluss mit der geplanten Stationierung von Pershing-II-Raketen in Deutschland.

Voller Einsatz für die Wahl

In den vergangenen gut 20 Jahren indes habe ihm die Arbeit kaum zeitliche Freiräume für derlei politisches Engagement ermöglicht. Nun aber habe er sich in Absprache mit seiner Frau bewusst entschieden: „Ich war gerne bereit, die Kandidatur zu übernehmen“, sagt Kubesch und betont, dass er dieser Bereitschaft in der Konsequenz auch mit vollem Einsatz gerecht werden möchte.

Von seinen 15000 Flyern möchte er so viele wie möglich persönlich unter die Leute bringen, und dabei begibt er sich auch ganz bewusst in die Dörfer des Wahlkreises mit dessen gewaltiger Ausdehnung. Was die Aussichten auf Erfolg betrifft, sagt der gebürtige Bad Wildbader: „Aus baden-württembergischer Sicht halte ich alles für möglich“. Bundesweit sei vor allem entscheidend, wer hinter den vorn zu erwartenden Parteien CDU/CSU und SPD die drittstärkste Kraft im Lande wird. Und hier glaubt er fest an den Erfolg seiner Partei.

Noch eine Frage: Warum sollte man ihm bei der Wahl am 24. September die Stimme geben? „Soweit ich weiß, gibt es bundesweit keinen Forstwirt als Anwärter für ein Mandat im Bundestag. Da wäre es doch gerade für eine so waldreiche Gegend wie unseren Wahlkreis ein Vorteil, mich als echten Experten auf diesem Gebiet im Bundestag zu haben.“ Und noch etwas: „Die vorausschauenden Prinzipien der Forstwirtschaft in die Politik zu bringen, würde sicherlich bei vielen Themen weiterhelfen.“

Elf Fragen an Andreas Kubesch

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?

Bei mir ist es kein Buch, sondern Zeitschriften – der „Spiegel“, meine Hifi-Zeitschrift und eine für Gemmologie.

Wer ist Ihr politisches Vorbild?

Winfried Kretschmann.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz im Wahlkreis?

In meinem Wald in Sulz am Eck.

Wobei entspannen Sie am besten?

Beim Musik hören.

Schallplatte oder CD?

CD – da bin ich ein Kind der 90er-Jahre.

Welche CD steckt gerade in Ihrem Player?

Die Aufnahme des Live-Konzerts von Loreena McKennitt auf der Alhambra.

Was ist Ihr Lieblingsessen?

Fleischküchle – natürlich vom Bio-Rind – mit Kartoffelsalat.

Was zeichnet Sie aus, welche Schwäche haben Sie?

Ich kann gut zuhören und mich mit allen möglichen Menschen gut unterhalten. Zur Schwäche: Ich bin manchmal etwas zu ungeduldig.

Haben Sie ein „Laster“?

Ja, aber das wird nicht verraten.

In welcher Epoche würden Sie gerne einen Tag verbringen?

In der Kelten-Zeit.

Hund oder Katze?

Hund.

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