Wölfe!

In den letzten Wochen gab es verschiedentlich Berichterstattung über den Wolf in der Tagespresse. Hier meine ungekürzte Erwiderung zu dem Schwabo-Artikel „Funken des Widerstandes gegen den Wolf“ vom 28.8.2017. Das Foto der Dickbauchwölfe stammt übrigens aus dem Tierpark Bad Mergentheim.

…“mit Kollegen, Politik und Wissenschaft intensiv darüber ins Gespräch zu kommen“…
Diesem Anspruch, formuliert als Ankündigung im Schwarzwälder Boten ist die Veranstaltung überhaupt nicht gerecht geworden. Als Kandidat zur Bundestagswahl der Grünen war ich natürlich auch vor Ort um mich zu informieren. Formuliert wurden aber nur Meinungen und Befürchtungen. Es war niemand anwesend der irgendwelche Erfahrungen mit Wölfen hat. Auch kein Biologe und kein betroffener Landwirt aus anderen Bundesländern. Auch die Landesregierung von Baden-Württemberg, die schon vor Jahren einen ersten „Handlungsleitfaden Wolf“ veröffentlicht hat war nicht vertreten.
Unsere Kenntnisse über den Wolf beziehen wir Deutsche überwiegend aus Geschichten wie: „Rotkäppchen und der böse Wolf“ oder auch „Der Wolf und die sieben Geißlein“. Diese Geschichten waren dereinst nicht aufgeschrieben worden um die Kinder zu unterhalten, sondern um die Bevölkerung die damals wie heute nie einen lebenden Wolf zu Gesicht bekommen hatte pädagogisch auf Angst und Hass gegen das ungeliebte Wildtier einzuschwören. Die beschriebene Gewalt durch den Wolf hat erfolgreich Gewalt gegen den Wolf legitimiert. Zu unserem Glück gibt es heute noch andere Informationsquellen.
Unsere Grüne Landtagsfraktion hatte zuletzt im November 2017 eine parlamentarische Anfrage an die zuständigen Ministerien gerichtet. Ein Vertreter von dieser Seite hätte vor Ort schnell erklären können, dass die mehrfach getroffene Aussage, dass tierschutzrechtliche Vorschriften den Einsatz von Herdenschutzhunden unmöglich machen, ganz einfach falsch sind. Das Herdenschutzprojekt das die Grüne Landtagsfraktion durchgesetzt hat soll weitergeführt werden. Dafür dass es in Baden-Württemberg bis heute keine Wolfspopulation gibt, und dafür dass es in unserem Bundesland noch nie den Riss eines Nutztieres gab, sind wir inhaltlich schon ganz schön weit.
Wir alle werden zukünftig lernen müssen mit den Wölfen zu leben. Das entsprechende Wissen ist mit der Ausrottung der Tierart leider verlorengegangen. In anderen europäischen Ländern mit stabilen Wolfspopulationen gibt es diese ganzen Diskussionen nicht. Die Menschen dort wissen, dass Wölfe Wildtiere als Beute bevorzugen, und den Menschen meiden. Probleme gibt es immer dann, wenn der Leitwolf eines Rudels (illegal) getötet wird. Unerfahrene Tiere sorgen dann für einen Anstieg von Nutztierrissen.
Die realen Probleme, die mit einer zu erwartenden Zuwanderung einhergehen, wird der Staat zusammen mit den Betroffenen lösen. Entschädigungen für Nutztierhalter stehen bereit. Gesetzliche Details zu der Haftung der Tierhalter für Folgeschäden scheinen mir lösbar. Wenn wir in Zukunft eine stabile Population hätten, könnte ich mir auch vorstellen den Wolf in das Jagdrecht aufzunehmen. Wie auch Wildschwein und Hirsch könnte dann auch der Wolf planmäßig reguliert werden.
Ganz sicher ist es keine Option, alles was einem nicht passt einfach totzuschießen. In unserer Zeit gibt es keine Hexenverbrennungen mehr (siehe „Hänsel und Gretel“). Genau so ist es zu Recht aus der Mode gekommen Wildtiere auszurotten. Am Rande der Veranstaltung rief der Vertreter des so genannten „Bauernverbandes“ die Jäger auf, nach zukünftigen illegalen Abschüssen die Kadaver so zu entsorgen dass sie nicht mehr gefunden werden können. Mit solchen Äußerungen isoliert er seinen Verein, der dem Anspruch den gesamten Bauernstand zu repräsentieren schon lange nicht gerecht wird, noch weiter von der Gesellschaft, die in Sachen Tier- und Naturschutz schon lange viel weiter ist.

Bild könnte enthalten: Baum, Gras, im Freien und Natur

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